Im Norden von Sri Lanka

Am Morgen um 4.00 Uhr wurden wir vom Taxi abgeholt und los ging es Richtung Ella mit einem Zwischenstopp im Udawalawe Nationalpark. Wieder einmal überrascht von der grossen Artenvielfalt beobachteten wir die Elefanten, Pfauen, Wasserbüffel, Adler und viele weitere Tiere bei ihren morgendlichen ‚Tätigkeiten‘.
Durch wunderschöne Natur ging es dann weiter in Richtung Hochland nach Ella. Die Landschaft präsentierte sich hier grün, hügelig und oft nebelverhangen, das Wetter regnerisch. Wir freuten uns darauf, Teeplantagen und -Fabriken besichtigen zu können. Erstaunt darüber, dass alle Tee’s (schwarz & grün) aus einer einzigen Pflanze produziert werden, ‚degustierten‘ wir uns durch die verschiedenen Sorten. Das zentrale Hochland ist vor allem auch für die Wanderungen durch die Teeplantagen bekannt, was wir uns natürlich nicht nehmen liessen und den ‚little Adams Rock‘ bestiegen, welcher sich für uns Schweizer aber mehr als steileren Spaziergang präsentierte. Leider fiel die Aussicht auch dem Nebel zum Opfer, was aber unsere Laune nicht weiter trübte…
Nachdem wir dem Chill-Kaffee mehrere Besuche abgestattet hatten, weil es einfach zu gut war, freuten wir uns riesig auf eine der schönsten Zugfahrten der Welt, von Ella nach Kandy. Dies war sie auch, vorbei an sanfter Hügellandschaft, bewachsen mit Teepflanzen, ging es voran im altmodisch, englischen Waggon.
Kandy war unsere letzte Stadt auf unserer Reise, weswegen es noch einmal auf ausgedehnte Shoppingtour ging. Unsere Unterkunft im Guesthouse bei Buddy war schön heimelig und wir genossen die Gastfreundschaft der buddhistischen Familie sehr.
In Kandy verabschiedeten wir uns von einem Teil unserer Haare, was vor allem wegen Katja’s Haarlänge einen halben Nachmittag in Anspruch nahm. Millimetergenau und gemütlich arbeitete sich der Coiffure zum Ziel durch…
Auf Anraten von Buddy besuchten wir noch den für Sri-lankische Buddhisten sehr bedeutungsvollen ‚Zahn-Tempel‘, in welchem ein Zahn vom Buddha gehortet wird, sowie auch den botanischen Garten, wo wir uns den vielen Fragen einer Sri-lankischen Schülerschar stellten. Nach drei Tagen Kandy ging es weiter mit mehreren Bussen in den Norden nach Kalpitiya. Irgendwo im Nirgendwo wurden wir nach einer langen Busfahrt schlussendlich vom Tuk-Tuk abgeladen und wir waren im Kite n’Lanka angekommen. Hier wollten wir die nächsten Tage mit Kite surfen, beziehungsweise lernen verbringen. Doch dazu benötigt es… Kaum zu glauben, Wind! Dieser hielt sich anfänglich schön im Hintergrund, was normalerweise zu dieser Jahreszeit nicht der Fall ist. Die starken Regenfälle in Südindien scheinen unter anderem ein Grund für das Ausbleiben des Windes zu sein. Wir fühlten uns schnell pudelwohl unter den einmal vielen Schweizern in Kalpitiya. Lustigerweise waren wir nicht einmal die einzigen Ustermer, so sind Simon und Luca für den Kite Urlaub aus Uster angereist. Anstatt mit kiten verbrachten wir die Zeit mit Tunfisch-fischen und anschliessendem Sashimi-Schlemmen, ein Traum, frischer geht’s nicht! Ganz nebenbei tauchten während dem Fischen neben uns auf dem offenen Meer auch noch Pottwale, Minkwale und hunderte von Delfinen auf. Ein wunderschönes Erlebnis! Mischi, unser Schweizer Kitelehrer kam dann doch noch dazu, Katja die Anfänge vom kiten beizubringen, wodurch er aber vor allem die Lust auf mehr… Kiten geweckt hat! Die Tage und lustigen Stunden in Kalpitiya vergingen viel zu schnell. Das viele Lachen, Kopfschütteln und Spielen machte uns den Abschied nicht leicht. Wehmütig machten wir uns dann heute Mittag auf Richtung Flughafen, nur um den halben Nachmittag im Stau zu stehen. Als dann Reto den Polizisten darauf aufmerksam machte, dass wir zum Flughafen müssen, ging es aufs Mal vorwärts und schon viel zu schnell hat man eingecheckt und ein Ticket nach Hause in der Hand.

Drei unvergessliche wunderschöne Monate neigen sich dem Ende zu. Mit vielen positiven Erinnerungen und dem Glück, dass auf unserer Reise alles wie geplant geklappt hat kehren wir mit einer fast vollständigen Reiseapotheke wieder in die Schweiz zurück.

Surfing Lanka

In Colombo gelandet, nahmen wir den Bus, um möglichst schnell in Richtung Süden zu kommen, ab ans Meer! Leider erwies sich unsere Bus-Wahl weniger als Glückstreffer. Hatten wir doch den Regio-Bus erwischt und tuckerten nun in 5 stündiger Fahrt gemächlich der Küste entlang. So konnten wir aber schon einige Eindrücke von diesem Land gewinnen. Dabei fiel uns vor allem eines auf… Sri Lanka präsentierte sich viel sauberer als Indien. Wo sonst in Indien Plastikmüll lagerte, sahen wir nun schönen Sandstrand und ‚müllfreie‘ Strassenränder.
Irgendwann kamen wir dann doch in Weligama an und freuten uns, über die schöne Unterkunft direkt am Meer.
So waren wir dann am Morgen danach auch voller Tatendrang und wollten noch einmal kurz eine Surflektion nutzen, bevor wir uns alleine ans Werk machten. Wir wateten gerade mit Gary unserem Surf-teacher ins Wasser, als wir bemerkten, dass uns diverse Menschen an Land etwas zuriefen und wild mit den Armen fuchtelten. Wir dachten, wir sollten Acht geben auf das Fischerboot in der Nähe und uns ein wenig entfernen. Irgendwann wurde uns die Winkerei doch zu bunt und wir machten uns auf Richtung Strand. Dort angekommen wurde es uns doch ein wenig mulmig, als wir erfuhren, dass gerade neben uns eines der gefährlichsten Tiere in den Wellen schwimmt… Wir haben es vom Strand aus dann gesehen, ein 3m langes Krokodil ! Da hatten wir gerade nochmals Glück gehabt!! Anscheinend hatte das Krok die Orientierung verloren und den Weg zum nahe gelegenen Fluss nicht mehr gefunden…
So startete unser Surfgenuss am Nachmittag an einem anderen Spot mit mehr Leuten und weniger Krokodilen.
Unsere Unterkunft stellte sich als wahrer Glücksfall heraus. Alle waren begeisterte Surfer und meist wagten wir uns schon am Morgen früh kurz nach Sonnenaufgang in die Wellen. Und dies knapp eine Woche lang.
Die Südküste von Sri Lanka ist vor allem im Dezember für die vielen Blauwale an der Küste bekannt, weswegen wir uns an einem Morgen aufmachten, um Wale zu beobachten. Die grössten Tiere der Welt bekamen wir leider nicht zu Gesicht, dafür den etwas kleineren Artgenossen, den Brydewal, sowie eine Riesenschildkröte was auch eindrücklich war.
Nach unserer super Sportwoche geht unsere Reise weiter in Richtung Hochland…

Backwaters

‚Geheilt‘ von den schmutzigen Strassen und voller Vitalität nach dem Ayurveda-Programm hatte uns das Indische Leben wieder voll im Griff. Weiter ging es per Taxi nach Kollam, einem Durchgangsort.
Per Zufall erfuhren wir, dass es hier auch ein Kino gibt. Dies wollten wir uns nicht entgehen lassen, schliesslich läuft ja der neue James Bond. Wie Indien ist, alles ist ein bisschen anderst. Bevor der Film beginnt, müssen alle aufstehen, da sie so etwas in der Art Nationalhymne laufen lassen. Freudig erwarteten wir den Filmbeginn, in der Hoffnung, das etwas Ruhe einkehrt und der Kino-Angestellte aufhört Essen und Getränke im Kino zu servieren (war nicht so, gehört dazu, dass man immer bedient wird 🙂 ) so kamen wir auch hier ungewollt in den Genuss vom ‚indischen Kino‘. Da war einerseits die Familie mit ihren drei kleinen Kindern hinter uns, oder diverse Personen, welche aus unerklärlichen Gründen chronisch aus dem Saal und wieder hinein wollten. Zu guter Letzt wurde das Kino grosszügig klimatisiert, wobei wir uns sehnlichst unsere Winterkleider herbei wünschten. Natürlich freuten wir uns nach dem Film auf eine warme Mahlzeit.

Am nächsten Tag ging es per Boot weiter auf den Backwaters. Einen ganzen Tag lang wurden wir durch das ‚östliche Venedig‘ gefahren und bestaunten die reichhaltige Natur, viele Vögel und liessen uns im wahrsten Sinne des Wortes ‚treiben‘. Am späten Abend bezogen wir dann unsere Unterkunft in Allapuzha, auch an den Backwaters liegend. Einzig die Mücken störten die Idylle… Nach einem riesigen Glas Pineapplejuce ging es anderntags weiter Richtung Kochi.

In Kochi genossen wir die letzten Tage Indien. Wir kauften Fisch am Meer, liessen ihn im Restaurant kochen und genossen das wilde Durcheinander am mehrheitlich dreckigen Strand. Im Kochkurs für südindische Küche wurde uns wieder einmal mehr bewusst, dass sich unser Wissen über Gewürze und deren Einsatz in einem kleinen Radius bewegt. Doch, wir geben nicht auf! Gut eingedeckt, werden wir in der Schweiz weiter ‚experimentieren‘.

Indien mit seinen Ecken und Kanten, den vielen Farben und Düften und Widersprüchen, wir haben die Zeit im Chaos sehr genossen und sind froh, das unsere Erinnerungen daran vor allem positiv sind.
So wahr ist doch die Aussage… ‚Incredible India‘!

Im Süden

Kurzerhand änderten wir in den darauf folgenden Tagen unsere Reisepläne, um nach Chennai zu fliegen und von dort weiter quer durchs Land nach Kochi zu reisen.

In Chennai angekommen schnappten wir uns ein Taxi, einen alten Ambassador, welcher uns nach Mahabalipuram brachte. Die Stimmung war deutlich lockerer und relaxter, die Menschen begrüssen einem freundlich und, man sieht mehr Frauen, welche einem auch ansehen und lachend begrüssen. Anderst als in Rajasthan, wo die Frauen aus Respekt vor ihren Schwiegereltern oft das Gesicht mit ihrem Sari verdecken. Die üppige Vegetation war ebenfalls neu für uns, sowie auch REGEN! Ganz vergessen, dass in diesem grossen Land auch unterschiedliche klimatische Bedingungen herrschen, sind wir mitten im Monsun gelandet. So war dann auch unsere Entscheidung, weiterzureisen schnell gefallen. Wir verbrachten ca. 5 Stunden im Taxi und im strömenden Regen. Teilweise wurden Strassen geflutet.
In Puducherry angekommen fühlten wir uns schnell wohl. Die kleine Stadt war lange Zeit französisch besetzt, weswegen die meisten Einwohner auch zusätzlich noch französisch sprechen. Und überall findet man die feinsten Patisserie-Läden, mit richtigen Croissants und feinem Kaffee…
Was auch neu für uns war, die südindische Küche, welche sich ganz anderst präsentiert, als die nordindische. Vor allem noch vegetarischer als im Norden.

Ganesha, einer der meist angebeteten Götter, in Form eines menschlichen Elefanten, wird von den meisten Indern angebetet, da er Glück bringt. Deswegen entschieden wir uns, den Ganesha-Tempel zu besichtigen. Wir staunten nicht schlecht, als uns vor dem Tempeleingang ein Elefant erwartete. Gibt man ihm eine Münze, so berührt er den Kopf mit dem Rüssel und beschert einem Glück. Die meisten Tempel in Südindien sind kunterbunt bemalt und es herrscht lebhaftes Treiben überall, ganz zum Vergnügen von uns.
Nachdem wir uns für ein weiteres Taxi entschieden hatten, ging es weiter über Thanjavur nach Tiruchirappalli (Trichy). In Thanjavur hüpften wir aus dem Auto, knipsten den Tempel ab und weiter sollte es gehen. Aber erst nachdem wir lange Diskussionen mit unserem Taxi-Fahrer geführt haben, welcher sich weigerte, uns an einem anderen Ort auszuladen und auf uns zu warten (wie abgemacht). Im Nachhinein sind diese Diskussionen immer lustig, aber währenddem nervenaufreibend. Wir konnten einen Kompromiss finden und landeten schlussendlich in Trichy. Hier wurde gerade ein Fest im grossen Tempel gefeiert, welches wir natürlich auch sehen mussten. Nachdem wir uns vom Elefanten Glück bringen liessen, die Schuhe auszogen und uns unter die Einheimischen mischten ging es ab in das Durcheinander. Auch hier wieder, keine Ordnung oder andächtige Stille, wie bei uns in der Kirche, sondern ein wildes, kunterbuntes Durcheinander und friedliches Beisammensein.

Am nächsten Morgen lernten wir, was Südindische Küche wirklich heisst, nämlich, zum Frühstück Idly, Dosa, oder Idliappam mit 4 verschiedenen Saucen. Die Saucen sind meist recht würzig und für unseren Geschmack anfänglich recht ungewohnt als zMorge.

Wir waren froh, wurden unsere Zugtickets bestätigt, so war Katja einen Tag zuvor noch auf der Warteliste die Nr. 64… Züge in Indien müssen immer sehr früh gebucht werden, weswegen wir jedes Mal ein wenig bibbern, weil wir zu spät dran sind und auf eine Warteliste kommen. Bis jetzt hat es zum Glück immer geklappt. So ging es weiter per Zug nach Madurai.
In Madurai wurde unsere Tempel-Odyssee beendet, nachdem wir noch den grössten von allen angeschaut haben. Dieser soll anscheinend gleich wichtig sein, wie der Taj Mahal für Nordindien. Als Katja im Tempel von einer Taube auf den Arm gesch… wurde und sie schon die ersten Fluchwörter im Mund bereit hatte, wurde sie von einem Inder beglückwünscht der sagte, das sei ganz selten und bringe einem Glück. Wenigsten durfte der Arm gesäubert werden, da kann man nur sagen, ‚typisch indisch‘.

Eine weitere lange Zugreise, in Richtung Meer stand uns bevor. Morgens um 5 fanden wir unser Zugabteil und richteten uns ein. Vom Zug aus konnte man schön beobachten, wie sich die Landschaft veränderte, wie alles sonnig und schön wurde, von Regen momentan keine Spur mehr. Die Bekanntschaft mit anderen Indern fällt im Zug besonders leicht, da die meisten ja mit dem süssen Nichts Tun beschäftigt sind.

Was uns immer wieder aufgefallen ist, wie Inder auf eine Frage antworten. Nicht mit ja oder nein, meist wackeln sie einfach mit dem Kopf, was schwierig zu beschreiben ist, aber vielleicht im Video klarer ersichtlich, für uns immer wieder amüsant… 🙂

In Trivandrum angekommen, wurden wir von unserem Hotel abgeholt, denn nun heisst es, eine Woche durchhalten! Wir haben uns in einer Ayurvedaklinik einquartiert. Hier in Indien schwören alle auf Ayurveda und Yoga, bei uns zuhause ist es weniger verbreitet und wird manchmal auch skeptisch betrachtet. Manche empfinden es als zu esoterisch, obwohl es eine lange Geschichte hat und die traditionelle indische Heilkunst darstellt. Wir wollen es ausprobieren!
Jeden Morgen um 6.30 Uhr gingen wir (freiwillig) ins Yoga, liessen uns 3h in Öl einmassieren, und haben viele Kräutermischungen getrunken. Die vielfältige vegetarisch und vegane Kost auf unseren Dosha Typ abgestimmt hat uns hervorragend geschmeckt. Wir fühlten uns nach dieser Woche wieder vollkommen regeneriert.

Nun freuen wir uns darauf, nach Kochi zu reisen und feine Meeresfrüchte auf den Teller zu bekommen.

… Wer findet unter den Fotos den Mann, der sich gerade mitten auf der Strasse tätowieren lässt?

Delhi

Nachdem wir 12 Tage die Ruhe von Rajasthan und die Fürsorge unseres Fahrers genossen haben, blieben uns einige Tage in Delhi. Vorbei war es mit den Kühen auf den Strassen und den Bananenständen am -Rand. Anstelle dessen reihen sich Geschäfter aneinander. Viele Labels (v.a. Kleider) sind in Europa bekannt, werden in Indien produziert und kosten so nur noch einen Bruchteil unserer Preise.
Am 11.11.2015 war der Tag! Nein, nicht der Fasnachtsbeginn, sondern Diwali. Alle Inder fiebern das ganze Jahr über diesem Ereignis entgegen. Und man merkt es schon eine Woche zuvor, wie bei uns in der Adventszeit, liegt ‚Diwali-Zauber‘ in der Luft. Alle gönnen sich etwas, dekorieren ihr Hab und Gut mit grösster Liebe zum Detail und sind ein wenig nervös. Auch wir gönnten uns an diesem Tag etwas, wir machten uns auf ins 5 Sterne Hotel ‚Imperial‘, um einen High-Tea zu geniessen. Das heisst eine Etagere voller eher europäischen (ja, das vermisst man manchmal) Köstlichkeiten, welche auf Wunsch immer wieder nachgefüllt werden mit einer Tasse Tee versteht sich.

Das Fest der Lichter wird mit tausenden solcher und noch mehr Feuerwerk- & Knallkörpern in ganz Indien gefeiert. Ein sehr schönes Fest. Es hat den ähnlichen Stellenwert wie bei uns Weihnachten. Schön, so waren wir endlich einmal ein wenig aus dem Rampenlicht und konnten uns gut unter die Diwali Feier auf den Strassen mischen. Das grosse Problem in Delhi zu Diwali ist der Übermut der Inder. Natürlich können sie ihre Knallkörper nicht gemässigt verbrauchen, sie geben ihr ganzes (Klein)Geld dafür aus. Die ganze Nacht lang hört man so ununterbrochenes Knallen, man kann kaum atmen und hat das Gefühl, die Luft schneiden zu können. In den Gassen sieht man überall Rauch. Demzufolge ändern sich auch spontan die Öffnungszeiten diverser Shops und Restaurant, gerade so, wie es dem jeweiligen Chef/Inhaber passt.
Unseren Fahrer durch Rajasthan, Sanjay, haben wir über Mr. Gurvinder gebucht, der sehr gute Bewertungen hat im Internet. Da Reto sich auch wärend der Reise schon mit Gurvinder über WhatsApp ausgetauscht hatte, wollten wir Mr Gurvinder natürlich auch noch live kennenlernen. Wir luden Sanjay und Gurvinder also zum Kaffekränzli ein und hatten viel Spass mit den beiden.
Da Gurvinder der Sikh-Religion angehört, bot er sich an, uns einen Silh-Tempel zu zeigen und zu erklären. Diese Religion stellt alle Menschen gleich, egal, welches Geschlecht, Hautfarbe, Bildung, Einkommen, in welcher Kaste man ist und welche Religion man hat. Täglich werden hier auch Mahlzeiten serviert, gratis und für alle! Eine solche genossen wir, am Boden im Schneidersitz (wir müssen dringend Yoga machen!!) mit der rechten Hand Futter zu unserem Mund schaufelnd. Alle Menschen, egal, welcher Religion ob reich oder arm können dort täglich gratis Mahlzeiten geniessen. Finanziert werden diese durch Spenden, in Form von Geld und Essen, wie z.Bsp. Linsen. Das Essen wird ebenfalls von Freiwilligen gekocht, täglich wechselnd. Das Selbstverständnis, mit welchem wir dort aufgenommen wurden, imponierte uns. Auf die Frage, ob Gurvinder den auch hinduistische Feiertage begehe, antwortete er mit ja. So feiern Sikhs hin und wieder hinduistische Feiertage und respektieren diese auch. Das gleiche sagte uns auch Sanjay, er ist Hindu und respektiert und anerkennt die Sihks ebenfalls, er erklärte uns sogar, das er diese Religion sehr gerne habe. Hinduisten scheinen sowieso recht flexibel zu sein, so kann man sich selbst seine Götter aussuchen und zu diesen beten, nach welchem Konzept auch immer. Es scheint, als ob sie einfach zufrieden sind, wenn sie wieder einen Grund zum feiern finden. Die Logik scheint für uns schleierhaft, aber für Inder stimmt es und es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie andere Religionen respektieren und hin und wieder auch einmal ein anderes Fest feiern. Mit den Anschlägen in Paris wurde uns die letzten Tage schmerzlich bewusst, dass diese Toleranz nicht auf der ganzen Welt gegeben ist…

Rajasthan

Nach einer Nacht im Zug von Varansi nach Agra und Retos langwierigen Preis-Verhandlungen haben wir uns einen Taxi-Fahrer für die nächsten 12 Tage gegönnt. Sanjay wird uns die Region Rajasthan näher bringen, wir können uns zurücklehnen und müssen uns für die nächste Zeit keine Gedanken machen, wie wir von A nach B kommen. Mit dem Zug wäre unser ambitioniertes Ziel kaum umsetzbar gewesen. Da wir soviel erlebt haben, müssen wir unsere Rundreise ein wenig gliedern, sonst endet dieser Beitrag in einem Roman und wir verpassen Delhi…

Sanjay, unser Fahrer:
Gleich zu Beginn fühlten wir uns wohl bei Sanjay und seinem Tata Indigo. Von nun an wurden wir ‚Sir‘ & ‚Madam‘ genannt und Sanjay wird uns jeden Wunsch von den Augen ablesen. Seine lustigen Geschichten über sein Ehe Leben (‚my wife is the Home-Minister‘ = big power!) und seine gute Art brachten uns immer wieder zum Lachen. Er sieht das Leben mit seiner Frau von der Sonnenseite, obwohl er mit 21 Jahren mit seiner 8 Jahre jüngeren Frau verheiratet wurde, welche er erst am Hochzeitstag zu Gesicht bekam.
Wie kein anderer kennt er den Highway, war er doch in jungen Jahren ‚Truck-Fahrer‘ und erzählte uns einige Geschichten aus dieser Zeit. Er wusste immer und überall die beste Unterkunft und Raststätte (bzw. das beste WC). Seine Liebe zur Natur verdankten wir die vielen Tiere, welche wir durch seine wachsamen Augen nie selbst entdeckt hätten. Vor allem als er uns erzählte, er möchte uns spezielle Gäste vorstellen, welche jedes Jahr ohne VISA nach Indien kämen, waren wir ein wenig ahnungslos. Die Gäste stellten sich als Kraniche heraus, welche jedes Jahr von Sibirien über den Himalaya nach Indien an diesen bestimmten Ort fliegen.
Sprachlos waren wir auch, als er uns seine Lebensgeschichte erzählte, wie er sein erstes Geld verdiente weit weg von seinem Zuhause mit 12 Jahren. Wenn man bedenkt, dass einem indischen Kind mit ca. 50.- Fr./Monat eine gute Ausbildung in einer Privatschule und gute Berufsaussichten ermöglicht werden könnten, denkt man ein wenig beschämt daran, welch grosses Glück wir hatten mit unserer selbstverständlichen Ausbildung ohne Ängste und Sorgen.
Sanjay hat uns Indien näher gebracht und einmal mehr gezeigt, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, welche das Gute im Leben sehen.

Reise Rajasthan:
Der Start war in Agra, wo wir das schönste Gebäude der Welt, den Taj Mahal besuchten. Das Gebäude wurde aufgrund des Todes der dritten Ehefrau von Schah Jahan bei der Geburt ihres 14. Kindes, als Andenken an sie gebaut. Der Tod seiner Ehefrau Mumtaz Mahal brach dem Schah das Herz und das schönste Gebäude der Welt sollte entstehen. Und das ist es wirklich! Die Geschichte und die Schönheit dieses Gebäude lassen einem Erstaunen und inne halten, nachdem man natürlich ein Erinnerungsfoto gemacht hat.
Weiter ging es in Richtung Jaipur, mit Zwischenhalt in einem Dorf, fern von Modernität, wo wir zu einem köstlichen Mittagessen eingeladen wurden. Jaipur, die Stadt der Edelsteine beeindruckte uns vor allem durch ihr Kunsthandwerk und die vielen einheimischen Edelsteine, die hier verarbeitet werden. Vorbei an wunderschönen Landschaften ging es weiter nach Pushkar, der heiligen Stadt. Hier wurde die Asche Mahatma Ghandis aus dem heiligen See bespritzt. Heute eine Hippi-Stadt und vielen geistlichen Gurus. Problemlos würde man hier an Marihuana kommen. Nachdem wir den feinen ‚Jungle-Reis‘ ausprobiert hatten ging es weiter nach Udaipur, bekannte Stadt aus dem James Bond Film ‚Octopussy‘, welcher in mehreren Restaurants allabendlich gezeigt wird. Wir waren erstaunt darüber, wie authentisch Indien in diesem Film dargestellt wurde. Nach dem Absolvieren vom obligaten Kochkurs in Udaipur ging die Reise weiter über Berglandschaften, vorbei beim Motorradtempel, sowie bei einem beeindruckenden Marmor-Tempel zur blauen Stadt, Jodphur, wo wir Unterkunft in einem heimeligen Haus fanden. Hier besichtigten wir das unserer Meinung nach schönste Fort. Der aktuelle Maharaja (er wurde mit 4 Jahren Maharaja) hält es in einem wunderbaren Zustand und man kann sich leicht in die blühenden Zeiten zurück versetzen und ein wenig träumen, wie es war, als diese von ihren Feldzügen heim kehrten.
Weiter westlich ging es nun nach Jaisalmer, der goldenen Stadt. Sie liegt an der Thar-Wüste, nahe der pakistanischen Grenze, welcher wir mit dem Kamel einen Besuch abstatteten, ein sehr schönes Erlebnis. Die Thar Wüste und Jaisalmer liegen zwar nahe an der pakistanischen Grenze, ist aber unproblematisch zum bereisen. Wir fühlten uns sehr wohl bei den Hindu-Freunden unseres Fahrers und verbrachten einen lustigen Abend miteinander. Gesprächsthema Nr. 1 waren die kulturellen Unterschiede unserer Länder, allen voran die Toiletten, was viele Lachtränen bescherte. Die Nacht am Rande der Wüste war wunderschön ruhig und erholsam im Gegensatz zum üblichen Lärm.
Die Reise ging weiter nach Bikaner, ebenfalls eine Stadt, welche in der Wüste liegt. Nach dem Morgenessen konnten wir den Rattentempel ‚bewundern‘. Letzte Destination war dann Mandawa, welche auch Route der Seidenstrasse ist, mit seinen wunderschönen, alten Havelis. Pünktlich zu Diwali (Fest des Lichtes, gleichzusetzen bei uns mit Weihnachten) brachte uns Sanjay nach Delhi.

Vielfalt:
Immer wieder wurden wir von den Reichtümern des Landes überrascht. So hat Rajasthan ungemein viele Bodenschätze, wie Edelsteine, Marmor, Silber… Infolgedessen auch diverse Manufakturen, um diese zu verarbeiten.
Diverse Forts (=Schlösser) und ihre Festungsmauren mit ihren geschichtsträchtigen Hintergründen laden zum Verweilen und Staunen ein.
Weiter findet man auch vor allem hinduistische Tempel in allen Farben und Formen. Die skurrilsten zwei waren sicher der Motorrad- und der Rattentempel. Bei erstem wird ein Motorrad verehrt, welches vor allem allen Truck- sowie sonstigen Fahrern Glück bringt. Beim zweiten Tempel werden Ratten verehrt. Alle Ratten, welche im Tempel leben sind heilig, ausserhalb des Tempels, dürften sie getötet werden. Wir sahen auch eine weisse Ratte, was einem noch viel mehr Glück bescheren soll. Für jeden Gott gibt es einen Tempel, weshalb es auch sehr viele sind. Hinduisten (wie auch unser Fahrer) verehren und vermenschlichen die ‚Götter-Figuren‘ sehr. Sie bringen den Götter-Figuren Essen und Getränke und dekorieren diese auch entsprechend. Obwohl sie oft wenig Geld besitzen, haben sie in einem Tempel immer etwas für Spenden übrig. Für Nicht-Hinduisten scheint es ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, herauszufinden, welcher Gott für was steht. Jeder Hindu kann sich selbst aussuchen, welchen Gott er verehrt. Komisch, auf der Strasse scheinen sie ähnliche Prinzipien zu haben, jeder scheint sich seine eigenen Regeln herauszupicken.
Was uns wahnsinnig überraschte, war, dass wir gleichzeitig auch eine Safari gebucht hatten. Diverse Affen begleiteten unseren Weg. Leider sahen wir keinen, aber mit etwas mehr Zeit hätten wir bestimmt auch einen Leopard gesichtet. Mitten in der kargen Landschaft sahen wir Kühe, Antilopen, weisse Adler, Kingfisher-Vögel, Kühe, Dammhirsche, Kraniche in ihrem Winterurlaub und Pfauen und …KÜHE!

Skurriles:
– Die 6 beinige Kuh, welche noch ein bisschen heiliger ist, wie alle anderen.
– Der Tag, an welchem es gut ist und Glück bringt, Metall zu kaufen, was zur Folge hatte, dass sich haufenweise Inder neue Autos, Traktoren, Rikschas und Pfannen kauften, diese für unsere Begriffe segnen liessen und überall zur Schau stellten.
– Der Ort, welcher 15km vom Tempel entfernt ist, alle Inder ihre Schuhe (v.a. FlipFlops) ausziehen, liegen lassen und barfuss zum Tempel pilgern.

Menschen:
Mittlerweile wissen wir, das wir ein begehrtes Objekt sind. Jedoch hat es uns immer wieder zum Staunen gebracht, wenn Menschen (vor allem Jugendliche) auf uns zugekommen sind und um ein Foto mit uns gebeten haben. Laut Sanjay sehen viele Jugendliche vom Land nicht oft weisse Touristen. Wir kommen uns manchmal vor wie Filmstars.
Das angestarrt werden ist immer wieder speziell und lustig. Inder starren einen einfach an, starrst du zurück, schaut Inder weg, schaust du wieder weg, starrt Inder wieder an, dieses Spiel könnte man den ganzen Tag spielen, Inder ändert sein Konzept nicht… 🙂

Highway:
Auf der indischen Autobahn gelten 80km/h und Kühe haben auch hier Vortritt, was in der Nacht häufig zu Unfällen führt.
Täglich haben wir zwischen 2-6 verunfallte LKWs am Strassenrand gesehen. Sind die Fahrer doch unter grossem Zeitdruck und konsumieren oft Opium oder Marihuana (bei Polizeikontrollen bezahlt man laut Sanjay einfach das Doppelte, dann hat man nichts mehr zu befürchten).
Die Trucks sind herrlich farbig geschmückt und dekoriert, denn, so Sanjay das Denken eines Truck-Fahrers: ‚my truck is my second wife‘.
Dementsprechend ist auch unser Tata Indigo ein klein wenig dekoriert.

Indien zu verstehen ist wahrscheinlich eine Lebensaufgabe, ein klein wenig haben wir uns dieser genähert, doch bei weitem noch nicht ganz. Wir fühlen uns pudelwohl hier im Chaos und freuen uns jeden Tag aufs neue, was das indische Kino vor der Tür wieder Spannendes zu bieten hat…

Welcome to India!

Kaum in Gaya, Indien, gelandet, waren wir schon mittendrin, im Getümmel. Unsere Hautfarbe scheint zu faszinieren, so wollten die älteren Frauen vor allem Katja immer wieder die Hand geben und ihre Unterarme anfassen, viele andere wollten ein Foto von/mit uns. Im Mediageschäft von Gaya wird wahrscheinlich demnächst auf Plakaten mit uns darauf Werbung gemacht… Falls es jemandem auffallen würde beim vorbei fahren 😉 sowie uns die Menschen gleich in Beschlag genommen haben, ging es uns mit dem herrlichen Essen, von diesem, das wussten wir sofort, werden wir nicht genug kriegen können!

In Bodhgaya steht der Bodhi-Tree, unter welchem der berühmte Buddha, Siddharta Gautama, nach tagelanger Meditation erleuchtet wurde. Dementsprechend viele buddhistische Mönche und andere Gläubige finden sich hier ein. An sich ein beruhigender Ort… Nur, sobald man wieder weg vom Bodhi-Tree – Gelände ist, hat einem die Realität mit den vielen bettelnden und teils auch kranken Menschen, sowie den nervenaufreibendenen Souvenirverkäufern unter lärmenden Hupen wieder. Schnell lernten wir, das diese nicht mehr so einfach mit einem ‚maybe later‘ abgewimmelt werden können, Indien erfordert in dieser Hinsicht höhere Künste.

Balsam für unsere geknickte ‚Zugfahrer-Seele‘ gab es am nächsten Tag. Obwohl nur in der ‚Sleeper Class‘ untergebracht kamen wir schön ruhig und pünktlich in Varanasi, dem hinduistischen Pilgerort schlechthin an. Spätestens hier kam sie… Die totale Reizüberflutung! Das riesige Chaos auf der Strasse mit dem unerträglichen penetranten Hupen, sowie den heiligen Kühen, welche mitten drin und in jeder Seitengasse stehen – jeder Inder gewährt Ihnen den Vortritt. Die Menschen, welche sich im heiligen Ganges waschen, und sich so von ihren Sünden reinigen, stören sich nicht daran, wenn eine in weisse Leinen gepackte Leiche plötzlich vor ihnen auftaucht, sowie auch jene nicht, welche ihre Arbeit im Ganges verrichten, zum Beispiel Menschen, die zur Kaste ‚Wäscher‘ gehören. Hier sieht man schlichtweg alles, findet aber kaum Worte dafür.
An den verschiedenen Ghats (Zugänge zum Fluss) werden  religiöse Zeremonien durchgeführt. An einem bestimmten Ghat ist es besonders günstig, ins Nirvana überzutreten, wodurch an diesem pro Tag 60-100 Leichen (24h Betrieb, Kinder & Babys werden unverbrannt dem Ganges übergeben) verbrannt werden, welchen man problemlos mit dem nötigen Respekt  ‚live‘ beiwohnen kann, da stört sich nun wirklich niemand daran. Hierfür benötigen die Angehörigen aber das nötige Kleingeld um das schiffweise herangeschaffte rare Holz zu bezahlen. Die gewonnene Asche wird natürlich ‚der Mutter Ganga‘ übergegeben. Einzig die heiligen Kühe dürfen nicht mehr im Ganges, sondern nur noch im Nebenfluss ‚bestattet‘ werden.
Einige Zahlen: laut indischem Gesetz gilt es als gerade noch unbedenklich, bei Werten von 500 Coli-Bakterien auf 100 Mililiter Wasser zu baden. Dieser Wert wird in Varanasi um das bis zu 3000 fache überstiegen!! Einerseits kommt Varanasi auf diese Zahl, da einige kein Geld für die Feuerbestattung besitzen und es immer noch gut ist, wenn man einen Leichnam einfach dem Ganges übergeben werden kann, andererseits erledigen sehr viele Menschen ihr ‚Geschäft‘ und auch ihren Müll im Fluss… Immerhin hat uns der ‚Bötli-Fahrer‘ gesagt, wir müssen keine Angst haben, der Fluss vor allem in der Mitte sei sehr ‚sauber’… Scheint demfall Ansichtssache zu sein…
Des Weiteren findet man in Varanasi, nebst der Riesen Menge an bettelnden Menschen auch viele Backpacker, welche sich durch Yoga, Hasch und Räucherstäbchen gerade am finden sind.
Wir freuten uns, das wir auch noch jemanden kennenlernten, ohne die $-Augen, Vishnu, welcher das Tea-Emporium führt. Er konnte uns bei einem Glas Chai wertvolle Tipps geben und beim Nachtessen in einem Strassencafe vom muslimischen Viertel wurden wir kulinarisch extrem überrascht und verwöhnt für schlichte 0.60 Fr. pro Person!

Es fällt schwer, für Varanasi die richtigen Worte zu finden, man muss es einfach erlebt haben!

Von Bagan über den Strand in den Süden

Unser nächstes Ziel war die Sehenswürdigkeit, mit welcher in jedem Reiseprospekt Werbung von Myanmar gemacht wird. Die Pagodenlandschaft von Bagan. Dementsprechend viele Touristen mit den zu erwarten hohen Hotelpreisen empfingen uns in Bagan. Um besonders schöne Fotos zu machen starteten wir am Morgen um 5.30 mit unserem Elektro-(!) Roller, kletterten auf eine Pagode und genossen den nicht ganz perfekten Sonnaufgang, dafür ohne die Gesellschaft anderer Touristen, was man vom Sonnenuntergang nicht behaupten konnte. Der Elektroroller an sich war schon Hihglight genug, den ganzen Tag fahrend in der Pagodenlandschaft zu verbringen. Drei ältere Frauen machten aus einer abstrakten Steinform ein cleveres Geschäft. Der Stein wurde in ‚Lucky Buddha‘ benannt und wenn man ihm etwas zu essen (Toastbrot & Popcorn) gab, gegen Geld versteht sich, so wird man das ganze Leben glücklich sein und natürlich wird auch unser Karma aufgebessert, was bitter nötig war, nachdem wir Dutzende von Mücken ermordet hatten… :-/ schön wars in Bagan. Doch eigentlich freuten wir uns unheimlich darauf, endlich ans Meer zu kommen, was den auch schneller geschah als wir uns vorstellen konnten. Da jegliche Verkehrsmittel auf Landwegen überdimensional lange Reisewege Richtung Meer bedeuteten, entschieden wir uns für das Flugzeug, welches uns innerhalb eines halben Tages an den wunderschönen Ngapali-Beach transportierte.

Hier nisteten wir uns einmal für drei Nächte ein, verlängerten aber immer wieder, weil es einfach nur paradiesisch schön war mit dem fast menschenleeren Sandstrand. Die Proteinzufuhr in Form von frischem, wahnsinnig guten Seafood war täglich gewährleistet, sowie auch die Cocktails in der Happy Hour zum Sonnenuntergang. Einen Tag lang widmeten wir uns dem Touri-Programm, mit fischen! Mit Silchfaden und einem Hacken daran zogen wir einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser! Wenn es nach Katja gegangen wäre, hätte sie den ganzen Tag fischend verbracht, obwohl sie nie alle verspiesen hätte! Beim anschliessenden BBQ mit anderen Touristen stellte sich heraus, das wir wirklich Naturtalente sein müssen, hatten diese gar keine bis vereinzelte Fische an ihren Haken. Das gross angepriesene Schnorcheln entpuppte sich als Enttäuschung, so waren die meisten Korallen abgestorben oder der progressiven Fischerei zum Opfer gefallen… Die Kontraste in Ngapali erschienen uns enorm. Wird der Badestrand zu Saisonbeginn extra geputzt und aufgeräumt, so liegt im Fischerdorf gleich nebenan, bergeweise Müll, vor allem Plastik, am Strand, was wiederum niemanden zu stören scheint. Wie den auch, so scheint es im ganzen Land kein Müllentsorgungs-System zu geben. Ebenfalls ist dies wahrscheinlich auch sehr schwierig zu realisieren, so wird beispielsweise kaum ein Burmese dazu bereit sein, etwas zu bezahlen, damit sein Abfall entsorgt werden kann, wenn dieser einfach und unkompliziert in die Natur gekippt werden kann.

War es in Yangon die thailändische Prinzessin, welche auf Besuch war, so war es in Ngapali die Friedensnobelpreisträgerin & sehr beliebte, ranghohe Politikerin Aung San Suu Kyi, welche quasi neben unserem Restaurant einen Besuch abstattete… Wir sind ja mal gespannt, ob wir in Bodhgaya dem Dalai Lama in einem Kloster begegnen werden :-).

Gut erholt, Wäsche frisch gewaschen, ging es weiter mit unserem liebsten Transportmittel, dem Flugzeug, nach Yangon, wo wir den Nachtzug in den Süden nach Mawlamyine buchten, weg von den Touristen-Orten. Die 9 stündige Fahrt ist nur sehr schwer zu beschreiben. In der Upper Class war zwar die Beinfreiheit bedeutend grösser als bei der SBB, das war aber dann auch wirklich der einzige Vorteil. Mit Vollgas begann die Fahrt Richtung Süden! Die grossen Schwanker nach links und rechts waren weniger lustig, hat man doch das Gefühl, der Zug könnte demnächst entgleisen. Die Fahrt über unebene Gleise war jedoch auch wie eine Achterbahnfahrt im Europapark, nur günstiger und länger. Dabei fühlt man sich wie ein Popcorn in der Pfanne, dass hin und her gespickt wird, die Lachmuskulatur aller Reisenden wurde recht strapaziert 😉 Dementsprechend müde waren wir bei unserer Ankunft, nach dieser Freinacht, die es aber allemal wert war. In Mawlamyine sichteten wir kaum Touristen, was wir auch daran merkten, dass die Einheimischen noch mehr Freude an uns hatten, alle begrüssten uns und wollten mit der Frage ‚Country?‘ wissen, aus welchem Land wir kommen (sie kennen die Schweiz vor allem wegen der Uhrenindustrie). Die Menschen sind sehr neugierig und sobald sie ein wenig Englisch können, wurde mit uns ein Gespräch angefangen.

Ein weiterer Roller-Tag lag vor uns, diesmal aber ein richtiges Ding 🙂 mit mehr Saft! Die Höhlen von Pha an und diverse Buddhastatuen luden in wunderschöner Landschaft zum Erkunden ein. Die Höhlen dürfen nur barfuss erkundigt werden, ganz zum Missgefallen von Katja. Solange die Höhle geputzt waren, ging das ja noch. Aber die vielen Fluggetiere, wie Fledermäuse und Tauben platzierten ihre Exkremente halt am Boden, was zur Folge hatte, das Reto die eine Höhle alleine mit seiner Stirnlampe und Bootsfahrt zurück erkundete. Schon bald war auch die Rückfahrt nach Yangon auf dem Programm, wo wir den Tag Blog-schreibend, fein essend und ein bisschen wehmütig verbringen. Myanmar war die Reise vollumfänglich wert. Es ist schön, ein Land, das noch am Anfang seiner touristischen Hochblüte steht, auf diese Art bereisen zu können. Wenn man noch als ‚Attraktion‘ angesehen wird und die Menschen das Geld in einem noch weniger riechen als in anderen Ländern.

‚Chezu ba Myanmar!!‘

Morgen geht unsere Reise weiter, nach Indien. Wir sind sehr gespannt, was sich alles bestätigen wird, aus Berichten anderer Reisenden und Medien und was sich nicht bewahrheiten wird.

Reisen und Leben in Myanmar

Menschen:
Die Leute in Myanmar begegnen einem immer freundlich mit einem ehrlich herzlichen Lächeln. Sie sind hilfsbereit auch wenn vielen das Englisch nicht geläufig ist. Englisch wird mittlerweile Landesweit unterrichtet, was man auch bei Konversationen mit der jüngeren Generation merkt.
Je nördlicher von Yangon desto öfter sieht man Frauen und Kinder mit hell angemalten Backen. Thanaka nennt sich diese gelblich weisse Paste aus fein geriebener Baumrinde und wird einerseits als Sonnenschutz, als auch als Make Up verwendet.

Essen:
Das Essen ist der Wahnsinn, am Meer kann man jederzeit frischen Seafood essen (Red&White Snaper, Tuna, Baracuda, Squid, Octopus, Prawns(klein, Tiger&King), Lobster, Crab) serviert mit diversen Saucen, Gemüse und Reis.
In Yangon gibt es an vielen Ecken feine Fleischspiesse und Früchte. Wie auch im Rest des Landes sind die Reis- oder Nudelgerichte mit Gemüse, Chicken oder Pork auch sehr lecker und falls gewünscht, auch gut mit Chilis bestückt. Dessert kennt man in Form von einigen Früchten nach dem Hauptgang.
Vorspeisen, Hauptgang, Bier und Wasser für zwei Personen sind kaum je über 10 CHF gestiegen.

Taxi:
Bei den Taxis in Asien wird oft viel zu viel verlangt, da die am Flughafen ankommenden Gäste sicher nicht wissen wieviel ein Taxi kosten sollte. Wenn man normalerweise nicht auf das Einschalten des Taximeters beharrt, kann man gerne mal das doppelte bis zum 20fach höheren Preis zahlen. Die Taxifahrer in Myanmar sind da anderst, der Preis stimmt von Anfang an, auch ohne Taxi Meter, das gibt es hier nämlich gar nicht. Für eine 20min Fahrt zahlt man umgerechnet zwischen 2-3 CHF in Yangon. In den touristischeren Orten sind es dann 5-7CHF. Die meisten Preise sind ziemlich fix und werden auch von den Fahrern eingehalten.
Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit mit Pickups oder TuckTucks gefahren zu werden. Sie fahren auf fixen Routen durch die Strassen und kosten einen Bruchteil vom Taxi, 0.20-1CHF je nach Distanz. Wenn es nicht nur eine Strasse gibt wie am Strand ist es jedoch sehr abenteuerlich herauszufinden wohin die Reise geht. Denn angeschrieben sind sie nicht, es wird einfach auf Birmanisch aus dem Pickup oder Bus gerufen wohin er fährt. Dann heisst es im rollenden Zustand aufspringen und loos..

Transport:
Seit der Präsidentschaftswahl Ende 2010 und der Öffnung des Landes für Touristen werden die ÖV stetig ausgebaut. Busse fahren überall hin, über die Sicherheit lässt sich manchmal streiten, viele haben zum Glück aber schon Sicherheitsgurte.
Grundsätzlich herrscht Rechtsverkehr, wie bei uns. Da das Land jedoch lange von Grossbritanien besetzt wurde, sind die Steuerräder der Autos mehrheitlich auf der falschen Seite. Nur bei den neuren Fahrzeugen sitzt der Fahrer links.

Hotels:
Die Hotels sind zentrale Vermittlungsstellen für alle möglichen organisatorischen Fragen, wie zum Beispiel Bustransfer. Wenn man zum Beispiel von Bagan nach Ngapali Beach fahren möchte(ca 350km) hat man diverse Optionen:
– mit dem Zug kann man nur die Hälfte des Weges fahren(20h) danach mit Bus weiter(8h).
– nur mit VIP-Bus: (18h für 26$)
– Flug 2h mit Via
– Lokale Pickups und Busse (ultragünstig und für 2 Tage grosses Kino)

Wir wussten also schon wie sich Nachtbus 14h, oder Daybus 12h anfühlten. Zug ist immer spannend, man kommt immer mit jemandem ins Gespräch und oft fühlt sich diese Verbindung sicherer an. Für diesen Abschnitt haben wir uns jedoch für die Propellermaschine entschieden, wegen der Zeit und vielleicht wurden wir auch ein bisschen von diesem Video beeinflusst: Link dazu gibt es hier

Internet und Telefonieren:
In ganz Myanmar haben nur 0.5% der Bevölkerung Zugang zum Internet. Wir waren desshalb auch ein wenig überrascht, als wir erfuhren dass eine SIM Karte mit 3G nur 1.2 CHF kostet, inkl 500MB. Lokal telefonieren kostet 0.6Rappen pro Minute und jedes MB macht 1.4Rappen. Wahrscheinlich haben sie Ihre Seele (in Form von Teakholz und Edelsteinen) den Chinesen verkauft im Gegenzug für dieses Mobilnetz…